Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, Frontseite, Zustand 2015
Denkmalnordseite mit Namensliste der Gefallenen, Zustand 2015
Hintergrund
Gebückt durch die Last des Krieges?
Das Deutsche Kaiserreich verklärte das Massensterben an den Fronten zum „Heldentod“. Und mit dem „Eisernen Kreuz“ auf Gefallenenlisten und Denkmälern verlieh man symbolisch jedem toten Soldaten einen Orden.
Setzte Niederkaufungen in der Weimarer Republik diese Tradition ungebrochen fort?
„Den im Weltkriege gefallenen Helden – Die dankbare Gemeinde Niederkaufungen“ ist auf der Sandsteinstele eingemeißelt und auch hier ist das Eiserne Kreuz zu finden.
„Der Soldat steht nicht in Heldenstatur, sondern gebückt durch die Last des Krieges… Als das Denkmal gemacht wurde, gab es Meinungsverschiedenheiten, da es einen gedemütigten Soldaten darstellt – kniend – und keinen glänzenden. Ein Mitglied der damaligen Gemeindevertretung, Kriegsteilnehmer Heinrich R., hat mir das erzählt.“ Konrad P. geb. 1925.
Im runden, eingetieften Medaillon über der Widmung hockt eine naturalistische Soldatengestalt in militärischer Ausrüstung. Der Stahlhelmträger hält den Kopf gesenkt. Er hat die Hand auf das Herz gelegt, als wolle er den auf den Schlachtfeldern gebliebenen Kameraden die letzte Ehre erweisen.
Heute erinnert uns der in seinem Bildraum fast eingezwängt Hockende an den Stellungskrieg der Schützengräben. Wir wissen um das Elend der Kriegsteilnehmer, um Gastote und Zerfetzte. Wählten die Zeitgenossen gerade deshalb eine unversehrte Figur, weil sie die schrecklichen Bilder des Krieges kannten?
Auf der dem Gotteshaus zugewandten Seite stehen die Namen der 54 Gefallenen, geordnet nicht nach Dienstgrad, sondern nach der zeitlichen Reihenfolge der vom Kriegsministerium veröffentlichten so genannten Verlustlisten. Darüber ist auf einen Bibelspruch verwiesen: „Joh. 15,13“ (Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde). Im christlichen Opfergedanken suchte man Trost.